The Human Brain
Internationale Konferenz über
die strukturellen Grundlagen zum Verständnis der Funktionen und Fehlfunktionen des menschlichen Gehirns

 

Ort: Kongresszentrum Fondazione Santa Lucia, 00179 Roma, via Ardeatina 306
Datum: 5.-10. Oktober 2002
Ehrenvorsitz: Nobel Laureat Prof. Rita Levi Montalcini
Wissenschaftliches Kommitee: Prof. Carlo Caltagirone, Roma, Prof. Jürgen K. Mai, Düsseldorf; Prof. Georg Paxinos, Sydney; Prof. Clifford B.Saper, Boston.
Referenten: über 50 internationale Wissenschaftler/Innen aus Europa, USA, Kanada, Cuba, Argentinien und Australien.
Veranstalter und Förderer: Fondazione IRCCS Santa Lucia, Direktor: Dott. Luigi Amadio, wissenschaftlicher Leiter: Prof. Carlo Caltagirone.

Tradition - Unser gegenwärtiges Wissen vom menschlichen Gehirn gründet auf der Untersuchung des toten Gehirns und der Analogie zum Tiergehirn

Beinahe das gesamte Faktenwissen zur Struktur des menschlichen Gehirns verdanken wir der Forschungstätigkeit am toten Gehirn. Was selbst in modernen Lehrbüchern über (ungestörte) Funktionszusammenhänge und über Strukturveränderungen, die Nerven- und Geistesstörungen nach sich ziehen, zu lesen ist, basiert auf der Synopsis von Inspektion des postmortalen Gehirns und klinischer Erfahrung. Trotz der zunehmenden Spezifität des Methodenspektrums einerseits und der Übertragung von Fragestellungen an das Tiermodell andererseits ist der Beitrag einzelner Komponenten des Gehirns an der normalen und gestörten Funktion beim Menschen weitgehend unklar. Die geistig kognitive Ebene war bislang im Hinblick auf verantwortliche Hirnstrukturen meist ausgeschlossen.

Innovation - Bildgebende Verfahren eröffnen die gezielte Inspektion von zerebralen Strukturen am Lebenden.

Das Ausmaß der revolutionären Entwicklung durch die sog. bildgebenden Verfahren, die den Blick in das lebendige menschliche Gehirn eröffneten, lässt sich nur vor diesem Hintergrund bewerten. Besonders die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT)* spielt unter diesen Verfahren eine herausragende Rolle für das Verständnis der Leistungen des ungestört arbeitenden menschlichen Gehirns, aber auch für das Erkennen und die Erklärung der gestörten Hirnfunktion. Ihre Anwendung am wachen Menschen erlaubt aber darüber hinaus auch Aspekte typisch menschlicher Verhaltensweisen und mentale, sowie affektive, Vorgänge im Zusammenhang mit biophysikalischen Änderungen der Hirnsubstanz zu studieren.

Synergie von Tradition und Innovation

Um das Potenzial der bildgebenden Verfahren auszuschöpfen ist es nötig, die Kenntnisse der morphologischen Hirnforschung (mit dem Vorteil hoher Strukturauflösung und großer Spezifität) mit den allerdings niedrig aufgelösten - Aktivierungsarealen zu verschmelzen, die sich bei der fMRT offenbaren. Die morphologischen Daten vom menschlichen Gehirn werden dabei mit den räumlichen Koordinaten der Aktivierungsmuster. Daraus entsteht eine räumliche, mehrparametrige Architektur des Gehirns, die schrittweise zu einer Entschlüsselung des Beziehungsgeflechts seiner einzelnen Komponenten führen soll.

Inhalt und Ziel des Kongresses: Multimodalität und Multidisziplinarität

Im Kongress über "Die strukturellen Grundlagen zum Verständnis der Funktionen und Fehlfunktionen des menschlichen Gehirns" treffen sich Wissenschaftler sehr unterschiedlicher Arbeitsgebiete. Hierzu gehören Techniker, die an der Verbesserung der technischen Grundlagen und Spezifität der Bildgebung arbeiten, Morphologen, die die immer feineren Details der Baupläne der Hirnarchitektur entschlüsseln, Wissenschaftler, die sich mit der Entwicklung des Gehirns, seiner molekularen Zusammensetzung und mit der vergleichenden Anatomie und Pathologie beschäftigen sowie Neuroinformatiker, die an der Modellbildung, Computersimulation und Vernetzung der Wissenschaftler durch Datenbanken arbeiten. Basiswissenschaftler und Kliniker unterschiedlicher Disziplinen finden hier ein Forum, ihre Erfahrungen, die auf jeweils fachspezifischen Fragestellungen und Methodenspektren beruhen, auszutauschen. Erstmalig wird bei diesem Kongress das gesamte menschlichen Gehirn berücksichtigt, da jedes einzelne Element mit dem Rest vernetzt ist und daher nicht isoliert betrachtet werden soll.

Zur Beschreibung der wichtigsten Hirnstrukturen ist eine gemeinschaftliche einheitliche Sprachregelung unumgänglich, um Missverständnissen beim Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Schulmeinungen vorzubeugen. Hierzu wird ein eigener Workshop eingerichtet und ein spezielles Internetforum geschaffen.

Die Referenten genießen in ihrer jeweiligen Disziplin höchsten internationalen Ruf. Einige unter Ihnen gelten als meistzitierte Autoren ihres Wissensgebiets. Es ist daher damit zu rechnen, dass auf der Basis von Multidisziplinarität und wissenschaftlicher Kompetenz ein neues, erweitertes (umfassenderes) Verständnis der Arbeitsweise des Gehirns entsteht. Erwartet werden daher vertiefte Kenntnisse über unser eigenes Erleben, Handeln und Denken (ohne spekulative Zuschreibung und philosophische Spekulation), aber auch verbesserte Voraussetzungen, der Zerstörung des Gehirns durch Traumen und Alterungsprozesse Einhalt bieten zu können.

Forum für Aus- und Weiterbildung

Angesichts der zunehmenden Anwendungshäufigkeit der bildgebenden Verfahren besteht ein gewaltiger Ausbildungsbedarf. Da diese Verfahren erst seit wenigen Jahren allgemein angewandt werden und die entsprechende universitäre Ausbildung erst begonnen hat, fehlt vielfach (noch) die nötige Kompetenz zur Bildinterpretation. Die Konferenz bietet an sechs Tagen hinreichend Gelegenheit, Informationen aus erster Hand zu gewinnen und Kontakte mit den Referenten zu knüpfen. Zwei Workshops werden gebührenfrei zu dem Themenbereich der technischen und strukturellen Interpretation von MRT und fMRT angeboten. Weitere, ebenfalls gebührenfreie Workshops betreffen die normale und pathologische Anatomie von Hirnstrukturen; molekulare Methoden zur Charakterisierung des menschlichen Gehirns, sowie die Sprachregelung (Terminologie).

Interessenten, die nicht persönlich an der Konferenz teilnehmen, sollen über das Internet mit den Sprechern in Verbindung treten können. In diesem Fall werden relevante Fragen an die jeweiligen Spezialisten weitergereicht und von diesen beantwortet. Bereits jetzt ist ein Internetforum mit konferenzrelevanten Themen eingerichtet. Ferner ist beabsichtigt, eine virtuelle Plattform des Gehirns am Konferenzort zugänglich zu machen.

Stipendien

Die EU hat die kostenlose Teilnahme von 38 jungen Neurowissenschaftlern ermöglicht. Sie finden hier ein Forum, um ihre Forschungsergebnisse vor hochkarätigen Forschern darzustellen.

Konferenzort

Die Konferenz findet im Kongresszentrum der Fondazione IRCCS Santa Lucia (Istituto per la Ricerca e la Cura a Carattere Scientifico) statt. Diese international renommierte Stiftung genießt innerhalb des Netzwerks wissenschaftlicher Institutionen einen herausragenden Ruf. Viele wissenschaftliche Kooperationen z.B. im Rahmen der Neurolab Space Shuttle Mission und der Expo 2000 bestätigen ihr Renommee. In Anerkennung der wissenschaftlichen und klinischen Leistungen wurde die Fondazione Santa Lucia im Mai 2002 als erster Sitz des European Research Brain Institute (EBRI) bestimmt.

Die Fondazione IRCCS Santa Lucia ist besonders wegen ihrer hochspezialisierten Infrastruktur für neuromotorische Rehabilitation bekannt. Die Wahl dieses Tagungsortes unterstreicht die Idee der Konferenz, dass eine Verbesserung von Kenntnis und Verständnis des menschlichen Gehirns die Diagnostik und damit die neuromotorische und kognitive Rehabilitation von Hirnschäden fördert. Die Ausstrahlung der Konferenz wird zweifelsohne auch die medizinischen Therapeuten beeinflussen und die Lebensqualität und Arbeitsatmosphäre der betreuten Behinderten verbessern.

Publikationen

Neben dem kongressüblichen Abstraktband wird kostenloses Begleitmaterial zu den Workshops (z.T. auf CD-Rom) angeboten. Ein Grossteil der Beiträge der anwesenden Wissenschaftler wird in erweitertem Umfang in der Monografie über das menschliche Gehirn: The Human Nervous System, Academic Press, Erscheinungsjahr 2003, Herausgeber Prof. Dr. George Paxinos und Prof. Dr. Jürgen K. Mai, veröffentlicht. Es ist geplant, eine Datenbank zur Terminologie und zur Struktur des menschlichen Gehirns aufzubauen und über das Web verfügbar zu machen.

Weitere Informationen

Konferenz-Webseite: www.thehumanbrain.org

Konferenz-Sekretariat: secretariat@thehumanbrain.org

Pressekontakt (Dr. B. Mallebrein): press@thehumanbrain.org

________________

*) Die Grundlage der fMRT beruht darauf, dass Hirnstrukturen, die an der Verarbeitung von Impulsen beteiligt sind, einen erhöhten Bedarf an Metaboliten haben, der sich indirekt am (registrierten) Sauerstoffverbrauch äußert. Das Messsignal, das für die fMRT ausgewertet wird, zeigt allerdings eine (gemessen an der histologischen Struktur) geringe räumliche und wegen der Dynamik des Blutflusses und metabolischer Prozesse eine geringe zeitliche Auflösung.

   Zum Anfang